Typisierung digitaler Plattformen im Supply Chain Management

Überprüfung vorhandener Typisierungsansätze aus der Perspektive der Circular Economy

ZeitschriftIndustry 4.0 Science
Ausgabe42. Jahrgang, 2026, Ausgabe 4, Seite 62-70
Open Accesshttps://doi.org/10.30844/I4SD.26.4.7
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Abstract

Die Beurteilung der Wirkung digitaler industrieller Plattformen auf Dynamik und Resilienz von Versorgungsketten erfordert eine klare Typisierung solcher Plattformen. Der vorliegende Beitrag prüft, inwieweit ein aktueller Typisierungsvorschlag aus dem Bereich des Supply Chain Managements (SCM) im Zusammenhang mit digitalen Plattformen für die Umsetzung der Circular Economy (CE) weiterentwickelt werden muss. Die Autoren kommen zum Ergebnis, dass eine grundsätzliche Weiterentwicklung nicht erforderlich ist, da die betrachteten digitalen CE-Plattformen sich in die vorhandene Typisierungssystematik gut einordnen lassen. Neue Forschungsfragen ergeben sich allerdings bezüglich der Abgrenzung digitaler Service-Plattformen und digitaler datenorientierter Plattformen sowie der Verknüpfung von Circular Economy und Supply Chain Management, insbesondere im Zusammenhang mit den in der SCM-Praxis zunehmend etablierten Supply Chain Control Towers.

Keywords

Artikel

Die Typisierung digitaler Plattformen ist die notwendige Voraussetzung für eine strukturierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Auswirkungen solcher Plattformen auf die Dynamik unternehmensübergreifender Wertschöpfungssysteme. Aus der Perspektive des Supply Chain Managements steckt die Forschungsarbeit zu industriellen digitalen Plattformen noch in den Kinderschuhen [4, 5].

Der Fokus aktueller Veröffentlichungen zur Typisierung liegt auf Plattformen, mit deren Hilfe Versorgungsketten agiler und resilienter gestaltet werden können [4, 7, 13]. Das für Wissenschaft und Praxis aktuelle Thema der Nachhaltigkeit im Allgemeinen und der Transformation traditioneller „take-make-waste“-Versorgungsketten in kreislaufförmige Strukturen [16] im Besonderen wird im Kontext des Supply Chain Managements bisher noch nicht adressiert.

Vor diesem Hintergrund setzt sich der vorliegende Beitrag mit der Frage auseinander, inwieweit vorhandene Typisierungen digitaler Plattformen aus der SCM-Perspektive im Hinblick auf die Berücksichtigung von Circular Economy-Plattformen [1, 14] weiterentwickelt werden müssen. Digitale Plattformen werden im Zusammenhang mit zirkulären Versorgungsketten zunehmend bedeutsam.

Letztlich unterstützen diese Plattformen die Umsetzung der 9 R-Strategien [15] der Circular Economy (im Weiteren auch als CE abgekürzt).; helfen dabei, entsprechende Ziele, Prinzipien und Nutzenpotenziale umzusetzen. Die R-Strategien sind im nachfolgenden Bild 1 dargestellt, knapp erläutert und in den CE-Gesamtkontext eingeordnet. Die Nutzenpotenziale sind vielfältig. Sie reichen von der Reduktion von Primärrohstoffbedarfen über die Verlängerung von Produktlebenszyklen bis hin zur Reduktion von Abfallstoffen durch eine stringente Umsetzung des CE-Prinzips.

Bild 1: Strategien der Circular Economy (CE) [2, 3, 9, 15, 17].
Bild 1: Strategien der Circular Economy (CE) [2, 3, 9, 15, 17].

Das zweite Kapitel setzt sich mit der wissenschaftlichen Methodik auseinander. Anschließend werden im dritten Kapitel existierende Typisierungen in einem Kapitel zum Stand der Wissenschaft identifiziert und zusammengeführt. Das vierte Kapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit zusammen und diskutiert diese. Das fünfte Kapitel wiederum beschreibt die Beiträge für Wissenschaft und Management und zeigt die wesentlichen Limitationen der Arbeit sowie weitere Forschungsfragen auf.

Wissenschaftliche Methodik

Für die Beantwortung der Fragestellung wurde eine qualitative Methodik mit abduktivem Reasoning gewählt [8]. Auf Basis einer ersten Internetrecherche wurden Double- und Multi-Sided Circular Economy-Plattformen mit Fokus auf Business-to-Business-Anwendungen identifiziert, knapp hinsichtlich ihres Wertschöpfungsbeitrags charakterisiert und grob im Hinblick auf Ähnlichkeit geclustert.

Aus den einzelnen Clustern wurden für den vorliegenden Beitrag repräsentative Beispiele ausgewählt und hinsichtlich des Geschäftsmodells detaillierter untersucht. Verwendet wurde eine vergleichsweise einfache, aber in der wissenschaftlichen Literatur aufgrund ihrer flexiblen Einsatzweise dennoch etablierte Geschäftsmodell-Konzeptualisierung nach Gassmann et al. [6]. Auf Basis der detaillierteren Beschreibungen war es wiederum möglich, die Plattformen bezüglich des Typs einzuordnen und bisherige Typisierungen aus der betriebswirtschaftlichen Literatur zum Thema SCM hinsichtlich ihrer Konsistenz zu überprüfen. 

Typisierungen digitaler Plattformen aus der SCM-Literatur  

Eine erste Typisierung digitaler Plattformen aus der Perspektive des Supply Chain Management liefert Goertler [8]. Er unterscheidet zwischen datenorientierten Plattformen, Matching Plattformen und Supply Chain as a Service (SCaaS)-Plattformen. Mante et al. [12] greifen diese Typisierung auf und erweitern die Typen um Supply Chain Control Towers, wie sie aktuell von Produktherstellern, Beratungshäusern und Logistikdienstleistungsunternehmen entwickelt und eingesetzt werden. Mante et al. [12] sprechen zudem nicht von SCaaS-Plattformen, sondern allgemeiner von Service-Plattformen. Der vorliegende Beitrag orientiert sich an der Typisierung nach Mante et al. [12] (Bild 2).

Bild 2: Typen digitaler Plattformen im Supply Chain Management (in Anlehnung an Mante et al. [12]).
Bild 2: Typen digitaler Plattformen im Supply Chain Management (in Anlehnung an Mante et al. [12]).

CE-Plattformen aus einer Geschäftsmodellperspektive

Die digitalen Circular Economy-Plattformen, die im Rahmen des vorliegenden Artikels analysiert wurden, sind in der nachfolgenden Tabelle aus einer Geschäftsmodellperspektive knapp beschrieben.

Bild 3: Digitale Plattformen für die Circular Economy aus der Geschäftsmodellperspektive.
Bild 3: Digitale Plattformen für die Circular Economy aus der Geschäftsmodellperspektive.

Einordnung der CE-Plattformen im theoretischen Kontext

Der CARUSO Dataplace ist ein neutraler Marktplatz für Mobilitätsdaten, der einen herstellerübergreifenden Zugang zu fahrzeuggenerierten Daten bereitstellt. Er verknüpft Datenanbieter wie etwa Automobilhersteller, Flottenbetreiber oder Telematik Dienstleister mit Serviceanbietern aus Mobilität, Versicherung sowie Wartung und Reparatur. Fahrzeughalter und Fahrzeughalterinnen müssen der Datennutzung zustimmen.

Der Zugriff erfolgt über standardisierte APIs. Das Erlösmodell basiert primär auf Datenabonnements, API-Integrationsentgelten und grundlegenden Marktplatz Services. Die Plattform unterstützt verschiedene lebenszyklusorientierte R-Strategien, darunter REUSE (R3), REPAIR (R4), REFURBISH (R5), REMANUFACTURE (R6) und REPURPOSE (R7), indem sie datenbasierte Dienste zur Verlängerung des Fahrzeuglebenszyklus ermöglicht. Im Spektrum digitaler Plattformtypen ist der CARUSO Dataplace als datenorientierte Plattform einzuordnen. Sein zentraler Beitrag liegt in der Bereitstellung hochqualitativer, granularer Fahrzeugnutzungsdaten als Grundlage datengetriebener Services für unterschiedliche Akteure entlang des gesamten Fahrzeuglebenszyklus.

Circularise bietet Blockchain-basierte Lösungen zur sicheren Transparenz und Rückverfolgbarkeit in industriellen Lieferketten. Die Plattform verbindet Materiallieferanten, Hersteller und Recycler durch digitale Produktpässe, die einen kontrollierten Austausch verifizierter Produkt- und Materialinformationen ermöglichen, ohne sensible Geschäftsdaten offenzulegen. Die Daten können selektiv entlang der Wertschöpfungskette für Compliance, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaftszwecke genutzt werden. Circularise lässt sich in bestehende ERP-Systeme integrieren, die Erlösstruktur basiert auf Softwarelizenzen, Integrationsleistungen und datenbezogenen Servicegebühren.

Unterstützt werden durch vertrauenswürdige Materialdaten die lebenszyklusorientierten R-Strategien REUSE (R3), REPAIR (R4), REFURBISH (R5), REMANUFACTURE (R6), REPURPOSE (R7) sowie RECYCLE (R8). Circularise ist als datenorientierte Plattform einzuordnen. Sie realisiert die Logik des digitalen Produktpasses auf Basis der Blockchain-Technologie und schafft damit die Grundlage für datengetriebene Services entlang des gesamten Produktlebenszyklus und für die Gestaltung industrieller Kreislaufsysteme.

cirplus ist ein zweiseitiger Marktplatz für recycelte Kunststoffe, der Recyclingunternehmen und kunststoffverarbeitende Betriebe digital verbindet. Die Plattform stellt standardisierte Material- und Qualitätsdaten bereit, ermöglicht einen technischen Anforderungsvergleich und unterstützt die digitale Transaktionsabwicklung, während die physische Lieferung direkt zwischen Recycler und Abnehmer erfolgt. Das Erlösmodell ist überwiegend transaktionsbasiert.

Durch eine Reduktion von Such- und Transaktionskosten sowie eine erhöhte Markttransparenz trägt cirplus zur skalierbaren Beschaffung von Rezyklaten bei und adressiert primär die Strategie RECYCLING (R8), indem Abfallmaterial in den Kunststoffkreislauf zurückgeführt und einer erneuten Nutzung zugeführt wird. Im Hinblick auf die Plattform-Typologie ist cirplus als Matching Plattform einzuordnen, die klassische SCM-Funktionen um eine zirkuläre Perspektive erweitert.

Euro Plant Tray ist eine europäische Kooperative, die ein standardisiertes Mehrwegbehältersystem für Topfpflanzen betreibt. Sie vernetzt Erzeuger, Großhändler und Einzelhändler über wiederverwendbare Pflanzenbehälter, die Einwegkunststoffverpackungen im Pflanzentransport ersetzen. Die Behälter werden vermietet, nach Rückgabe gereinigt und erneut in Umlauf gebracht; Tracking, Logistik und Waschservices sind integriert. Das Erlösmodell basiert auf Miet- und Servicegebühren.

Das System reduziert Kunststoffabfälle und unterstützt die Einhaltung zukünftiger regulatorischer Vorgaben für wiederverwendbare Transportverpackungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Sinne der R-Strategie REUSE (R3). Euro Plant Tray ist als Service-Plattform für Mehrwegbehältermanagement einzuordnen. Die Wertschöpfungsprozesse rund um Behälter für Topfpflanzen werden durch digitale Technologien unterstützt. Zur Behälteridentifikation kommen u. a. QR-Codes und RFID-Systeme zum Einsatz.

Maschinensucher.de ist eine digitale Plattform, die Anbieter gebrauchter Maschinen mit industriellen Abnehmern zusammenführt. Sie stellt Leistung-, Such- und Kontaktfunktionen bereit, während Vertragsabschluss und Transaktion außerhalb der Plattform stattfinden. Die Erlösstruktur basiert nicht auf Verkaufsprovisionen, sondern auf Händlerabonnements, Premium-Inseraten und Werbedienstleistungen zur Steigerung von Reichweite und Sichtbarkeit.

Im Zentrum stehen Second-Life-Ansätze wie REUSE (R3) und REFURBISHMENT (R5), die auf die Verlängerung der Nutzungsdauer verschiedener Maschinentypen abzielen. Maschinensucher.de ist als Matching Plattform zu klassifizieren. Sie fungiert als Beschaffungsplattform im Sinne klassischer SCM-Lösungen, allerdings mit Fokus auf die Vermittlung von Produktionsmitteln statt auf die Beschaffung von Zulieferteilen.

Rewindo ist eine multisektorale Recycling- und Nachhaltigkeitsplattform für PVC-Bauelemente wie Fenster, Türen und Rollläden. Sie vernetzt Hersteller, Bau- und Abbruchunternehmen sowie Recyclingbetriebe, um die Sammlung, Aufbereitung und Wiederverwendung von PVC-Abfällen in geschlossenen Stoffkreisläufen zu koordinieren. Die Plattform stärkt insbesondere die Bau- und Profilindustrie durch höhere Rezyklatanteile, die Reduktion von PVC-Abfällen und die Unterstützung bei der Einhaltung regulatorischer Vorgaben.

Wertschöpfung entsteht dabei primär durch Branchenkooperationen, gesteigerte Recyclingquoten und verbesserte ökologische Kennzahlen, nicht durch direkte Profitorientierung. Rewindo setzt die R-Strategie RECYCLING (R8) um, indem PVC-Bauelemente systematisch in den Materialkreislauf zurückgeführt werden. Im Hinblick auf die Typisierung ist Rewindo grundsätzlich als Service-Plattform einzuordnen.

Vytal ist eine digitale Plattform für wiederverwendbare Verpackungen im Bereich Food Delivery und Takeaway. Sie kombiniert standardisierte Mehrwegbehälter mit softwaregestütztem Tracking, um Einwegverpackungen in der Gastronomie zu ersetzen. Restaurants geben Speisen in Vytal-Behältern aus, Konsumenten nutzen diese temporär und führen sie anschließend über teilnehmende Rückgabestellen wieder in den Kreislauf zurück. Die Plattform koordiniert den gesamten Behälterumlauf einschließlich Reinigung über Partnerbetriebe. Das Erlösmodell basiert auf nutzungs- bzw. transaktionsabhängigen Gebühren pro Verpackungszyklus.

Die Identifizierung der Verpackung mit Hilfe eines QR-Codes und die digitale Organisation des Umlaufs ermöglichen eine mehrfach nutzbare Verpackungslogik. Damit verlängert Vytal die Lebensdauer der eingesetzten Behälter entsprechend der R-Strategie REUSE (R3). Im SCM-Kontext lässt sich Vytal der Klasse von Mehrwegbehältersystemen zuordnen. Die Innovation liegt jedoch in der softwarebasierten, systemischen Integration in gastronomische Betriebe bei zugleich niedrigschwelligem Einbezug der Konsumenten, wodurch das klassische Mehrwegsystem zu einer nutzerzentrierten Service-Plattform weiterentwickelt wird.

Diskussion der Ergebnisse: Einordnung der Plattformen nach Typen

Die nachfolgende Tabelle zeigt die wesentlichen Erkenntnisse aus dem letzten Unterkapitel. Dargestellt sind neben der Zuordnung der einzelnen Plattformen zu den Plattformtypen aus dem Rahmenmodell die jeweils unterstützten R-Strategien.

Bild 4: Zusammenfassung zur Einordnung der Plattformen.
Bild 4: Zusammenfassung zur Einordnung der Plattformen.

Die Zuordnung der Plattformen cirplus und Maschinensucher.de zu Matching-Plattformen gelingt vergleichsweise einfach. In beiden Fällen handelt es sich ohne jeglichen Zweifel um zweiseitige Plattformen, bei denen Anbieter und Nachfrager von Materialien, Produkten oder Leistungen mit Hilfe digitaler Technologien, im Falle von cirplus auch unter Verwendung von Künstlicher Intelligenz miteinander in Verbindung gebracht werden. Ähnlich einfach einzuordnen sind die digitalen Plattformen CARUSO Dataplace und Circularise. In beiden Fällen handelt es sich eindeutig um digitale datengetriebene Plattformen, wobei der CARUSO Dataplace einer zentralen Architektur und circularise einer dezentralen Architektur folgt. Beide Plattformen können als Grundlage für die Konzeption und Realisierung von Services und Service Systemen für den Aufbau, den Betrieb und die Weiterentwicklung kreislaufförmiger Wertschöpfungssysteme herangezogen werden.

Etwas herausfordernder ist die Einordnung der übrigen Plattformen. Rewindo unterstützt Hersteller von Fenstern, Türen und Jalousien datenbasiert insbesondere beim Aufbau eines wirtschaftlichen Ökosystems für die Wiederverwendung von Kunststoffmaterialien durch eine direkte Suchfunktion und dokumentiert Stoffströme für spätere statistische Analysen. Andere datengetriebene Dienstleistungen, die etwa den zirkulären Wertschöpfungsprozess selbst unterstützen, werden in den für den vorliegenden Beitrag ausgewerteten öffentlichen Quellen nicht erwähnt. Mit dem Aufbau des Ökosystems ist allerdings die Voraussetzung für die Realisierung solcher Dienste erfüllt. Vor diesem Hintergrund wurde die Plattform vorsichtig in die Kategorie Service-Plattform eingeordnet. Sie hat das Potenzial, sich sukzessive in eine SCaaS-Plattform weiterzuentwickeln. Digitale datenorientierte Plattformen wirken hier als Enabler.

Bei Vytal und Euro Plant Tray handelt es sich, auch wenn mit QR-Code und RFID vergleichsweise einfache Technologien für die Identifikation von Behältern zum Einsatz kommen, um IoT-basierte Behältermanagementsysteme. Aus Sicht des SCM sind solche Systeme kein Novum. In beiden Fällen kann der bereits umgesetzte Behältermanagementservice um weitere datengetriebene Dienstleistungen ergänzt werden. Auch hier besteht das Potenzial, die aktuell verfügbare Lösung zu Service Plattformen weiterzuentwickeln und in bereits existierende SCaaS-Lösungen, wie sie beispielsweise von Unternehmen wie Accenture angeboten werden, zu integrieren. Aktuell haben diese beiden Plattformen noch den Charakter digitaler datenorientierter Plattformen.

Ausblick: Plattformtypen in der Circular Economy

Im vorliegenden Beitrag wurde die Frage adressiert, inwieweit die von Görtler bzw. Mante et al. im Kontext des Supply Chain Management entwickelte Typisierung digitaler Plattformen [8, 12] im Hinblick auf die Einordnung digitaler Plattformen für die Umsetzung der Circular Economy weiterentwickelt werden muss. Hierzu wurden eine Reihe ausgewählter Plattformen hinsichtlich des Geschäftsmodells analysiert und den in der SCM-Literatur beschriebenen Typen zugeordnet. Zentrale Erkenntnis aus der wissenschaftlichen Perspektive ist, dass die Typisierung von Görtler und Mante et al. [8, 12] auch im Kontext der Circular Economy Bestand hat.

Einige der Plattformen konnten sehr klar und eindeutig digitalen Matching-Plattformen beziehungsweise digitalen datenorientierten Plattformen zugeordnet werden. Andere weisen Merkmale von Service-Plattformen einerseits und digitalen datenorientierten Plattformen andererseits auf. Nachdem in der wissenschaftlichen Literatur zu SCM-Plattformen darauf verwiesen wird, dass digitale datenorientierte Plattformen auch als Enabler für die Umsetzung von Service-Plattformen fungieren [12], bedeutet dies keinerlei Einschränkung im Hinblick auf den wissenschaftlichen Beitrag der Arbeit.

Für das Management bedeuten die Ergebnisse, dass die Typisierung auch im Rahmen der Umsetzung der Circular Economy beziehungsweise im Rahmen der Transformation traditioneller Versorgungsketten in Kreislaufsysteme weiterhin herangezogen werden kann. Aus der Bewertung lassen sich zusätzlich Aussagen über die Relevanz einzelner Plattformen für die Umsetzung konkreter R-Strategien ableiten. Aus den Ergebnissen wird beispielsweise ersichtlich, dass digitale datenorientierte Plattformen eine essenzielle Rolle spielen und als wesentlicher Enabler für die Umsetzung der Circular Economy gelten können.

Die vorliegende Arbeit ist nicht ohne Limitationen. Zum einen wurde für die Erarbeitung der Erkenntnisse nur eine begrenzte Zahl an Plattformen analysiert. Die Auswahl dieser Plattformen erfolgte vergleichsweise pragmatisch. Um sicherzustellen, dass die Erkenntnisse verallgemeinerbar sind, müssen weitere Plattformen mit einer geeigneten Suchmethodik identifiziert und betrachtet werden. Darüber hinaus basieren die Analysen zu den ausgewählten Plattformen ausschließlich auf im Internet öffentlich zugänglichen Informationen.

Um die Robustheit der Ergebnisse zu erhöhen, sollten im Rahmen einer Methodentriangulation weitere Informationsquellen erschlossen werden. Die Durchführung von Expertengesprächen bietet sich hier beispielsweise an. Zudem wurden bei der Typisierung Vorarbeiten aus dem SCM betrachtet. In den letzten Jahren wurden in der wissenschaftlichen CE-Community weitere Typisierungsansätze entwickelt [10, 11, 14]. Es wäre vor diesem Hintergrund noch zu prüfen, inwieweit die unterschiedlichen Typisierungsvarianten konsistent konsolidiert werden können.

Auf Basis dieses Beitrags lassen sich zudem weitere Forschungsfragen für die Zukunft formulieren. Zum einen müssen digitale Service-Plattformen und digitale datengetriebene Plattformen noch besser voneinander abgegrenzt werden. Es ist zu klären, unter welchen Rahmenbedingungen von einer digitalen Service-Plattform bzw. digitalen datenorientierten Plattform gesprochen werden soll. Zusätzlich stellt sich die Frage, ob die Realisierung eines einzelnen Services bereits die Verwendung des Begriffs Service-Plattform rechtfertigt oder ob die Voraussetzung hierfür nicht die Existenz mehrerer, sich ergänzender Services ist. Darüber hinaus konnte im Rahmen des vorliegenden Papiers keine konkrete Verbindung zwischen Supply Chain Management bzw. Supply Chain Control Towers einerseits und digitalen CE-Plattformen andererseits hergestellt werden.

Im Zusammenhang mit dem allgemeinen Trend hin zu nachhaltigeren Versorgungsketten könnte zukünftig schließlich noch die ökologische Wirkungsintensität unterschiedlicher Plattformtypen untersucht werden. Der vorliegende Beitrag liefert mit der Zuordnung von R-Strategien zu Plattformen und Plattformtypen hierzu bereits erste Erkenntnisse. 

Die im Rahmen des vorliegenden Beitrags präsentierten Ergebnisse wurden im Laufe der Förderline „Dynamiken digitaler Wertschöpfungssysteme (DynaVer)“ des Programms „Zukunft der Wertschöpfung“ in vom BMFTR geförderten Forschungsprojekten erarbeitet.


Literatur

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